| Laizität

Der konfessionelle Ethikunterricht kommt

Wer nicht am Ethikunterricht teilnehmen will, muss den Religionsunterricht besuchen.

Zum Ethikunterricht habe ich schon viel geschrieben und gesagt, u. a. in einem Streitgespräch mit dem späteren Altbundeskanzler Sebastian Kurz für Die Presse. Die Position zum Ethikunterricht war auch das erste Papier, das ich im Parlament für NEOS geschrieben habe und das nach Beschluss Eingang ins Programm gefunden hat. Diese und viele weitere inhaltliche Fragmente habe ich bislang noch nie zu einem strukturierten Text zum Ethikunterricht zusammengefasst. Auch das Kapitel aus meinem Buch (hier im Volltext verlinkt) kann und will diesen Anspruch ebenso gar nicht erfüllen wie dieser Text aus aktuellem Anlass.
 
 
Jedenfalls soll der Ethikunterricht nun wirklich in der konfessionellen Variante ab dem Schuljahr 2021/22 kommen. Er ist damit kein allgemeiner Pflichtunterricht, sondern steht damit in einem ähnlichen Verhältnis wie die Wehrpflicht (Bundesheer) zur Wehrersatzpflicht (Zivildienst), wobei der völlig sinnlose Zivildienst hier explizit nicht mit dem Charakter des Ethikunterrichts gleichgesetzt wird. Es geht vielmehr darum, dass das Nicht-Wahrnehmen des prävalenten Modells (aus welchen Gründen auch immer) dazu führt, ersatzweise einer anderen Pflicht nachkommen zu müssen.
 
Naturgemäß kann man das aus humanistischer/logischer/atheistischer/konfessionsfreier Sicht auch genau umgekehrt sehen: nämlich, dass prinzipiell der Ethikunterricht verpflichtend ist, und dieser abgewählt werden kann, wenn man lieber Religionsunterricht besucht. Diese De-facto-Möglichkeit zur freiwilligen Sichtverengung – oder euphemistisch: ideologische Spezialisierung – zeigt deutlich die Absurdität diese Regelung.
 
Mit dem neuen Ethikunterricht wurde jetzt so etwas wie ein weiterer konfessioneller Unterricht geschaffen, der schlussendlich wenigstens auch gleichrangig so ausgeführt werden sollte, d. h. verpflichtend ab der ersten – und nicht erst ab der neunten Schulstufe – und nur von Ethiklehrerinnen und -lehrern durchgeführt, die nachweislich keiner der anderen unterrichteten Konfessionen angehören und selbstverständlich keine Religionslehrer sein dürfen.
 
So wird es nicht kommen. Wir werden sehen, was die Praxis bringt.
 
PS: Das Volksbegehren Ethik für ALLE läuft noch.
 
 
Links:
 
Kapitel „Ethikunterricht“ und „Religionsunterricht trennt“ aus Ohne Bekenntnis
Begutachtungsentwurf
– „Der grüne Sündenfall“ Kommentar von Eyten Reif (Ethik für ALLE) im Standard
Stellungnahme der Atheisten Österreich
– Umfrage: 70 Prozent für allgemeinen Ethikunterricht