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Der neue Asterix – Pressefreiheit und Whistleblowing

Für The Gap habe ich den neuen Asterix-Band „Der Papyrus des Cäsar“ rezensiert. Asterix und die gute Tradition Twitter, Whistleblowing und ein Appell Pressefreiheit zu gewährleisten. Ein politischer Asterix? Mitnichten. Die Abenteuer des Asterix waren in ihrer Zeitlosigkeit natürlich immer auch ein kleiner, verstaubter bis undurchsichtiger Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen der Gegenwart. Einige Szenen oder auch […]

Für The Gap habe ich den neuen Asterix-Band „Der Papyrus des Cäsar“ rezensiert.

Asterix und die gute Tradition

Twitter, Whistleblowing und ein Appell Pressefreiheit zu gewährleisten. Ein politischer Asterix? Mitnichten.

Die Abenteuer des Asterix waren in ihrer Zeitlosigkeit natürlich immer auch ein kleiner, verstaubter bis undurchsichtiger Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen der Gegenwart. Einige Szenen oder auch nur Namen, Schilder oder Wörter in den Bänden sind nur als subtile Anspielung im Kontext der Zeit sinnvoll. Der Handlungsablauf ist davon manchmal sogar beeinflusst, aber jedenfalls unabhängig davon verständlich.

Auch der „Der Papyrus des Cäsar“ trägt diese Tugenden in sich. Es ist eine Geschichte der Pressefreiheit, die sich an der Grenze von veröffentlichter und öffentlicher Meinung abarbeitet. Der Spin Doctor Rufus Syndicus empfiehlt Cäsar sein Papyrus „Kommentare zum Gallischen Krieg“ unter Aussparung der Wahrheit ein wenig mehr strahlen zu lassen. Der Trick funktioniert.

Doch einer der Schreiber – mit dem nicht ganz stimmigen Namen Bigdatha – wird zum Whistleblower und bringt den fehlenden Teil der Geschichte an die Öffentlichkeit. Dabei schleicht er sich an zwei römischen Wachen vorbei, die das auch bemerken, ihn aber nicht stoppen und einen der wohl bizarrsten Dialoge eines Asterix-Bandes abgeben: „Da macht sich einer aus dem Staub, Datenflus.“ – „Ha! Ha!. Halt du ihn doch auf, Antivirus!“ Nichts passiert.

Asterix - WLAN

Besser als Anti-Virenprogramme funktioniert der mit Tauben betriebene Kurznachrichtendienst (SMS?) und auch auf Twitter selbst haben die Autoren nicht vergessen: Eine „Rohrpost“ (also Pfeife) der Druiden mit dem Signalton „Twiiiiet“ scheucht kleine, blaue Vögel auf. Ein Römer klettert auf einen Baum, um einen „Lauschangriff“ durchzuführen, ein weiterer fällt herunter und landet unsanft mit einem lauten „WLAN“. So bahnt sich der gepflegte Wortwitz einen Weg zur für Asterix-Bände typischen Gratwanderung des Phrasenwitzes, der so flach wurzelt, das er schon wieder erlaubt ist. War das in den alten Ausgaben auch immer so? Ja, doch. Als jemand, der in seiner Kindheit und Jugend die Bände 1-28 in Summe wohl hunderte Male gelesen haben muss, erlaube ich mir zu behaupten, dass „Der Papyrus des Cäsar“ in guter Tradition zu seinen Vorgängern steht, auch wenn manches auf den ersten Blick ein wenig platter wirkt als zu Zeiten von Goscinny und Uderzo. Alles andere ist Vergangenheitsverklärung.