| Heiliger Führerschein

I, Pastafari

Im Oktober feierte bei Filmfestivals in den USA die Dokumentation I, PASTAFARI ihre Premiere. Ich spiele nicht nur eine siebtragende Rolle im Film, sondern war auch in Bend selbst vor Ort als er gezeigt wurde.

Vor zehn Jahren, am 12. Oktober 2009, wurde der weltweit erste Führerschein mit Nudelsieb als religiöser Kopfbedeckung ausgestellt. Es war das erste behördliche Dokument dieser Art überhaupt. Damit wurde Pastafarianismus in Österreich auch das erstmalig implizit staatlich als Religion anerkannt.


Diesem Beispiel sollten und wollten viele Pastafaris weltweit folgen. Sehr vielen ist das in vielen Ländern gelungen. Sie tragen jetzt Führerscheine und andere Ausweise mit metallischen, plastischen oder auch gehäkelten (!) Sieben aus Plastik auf dem Kopf mit sich herum. Andere scheiterten an den jeweiligen Behörden in ihrem Land – wie zum Beispiel Mienke de Wilde, in den Niederlanden.

In Deutschland unterhält Bruder Spaghettus (weltlich als Rüdiger Weida bekannt) diverse rechtliche Auseinandersetzungen mit der Bundesrepublik. Auch in Polen und anderen Staaten ringen die Pastafaris mit dem Staat um die Rechte, die dieser ihnen vorenthält.

I, Pastafari – Documentary

Der US-amerikanische Filmemacher Mike Arthur erkannte diese Diskrepanz von Bürgerrechten und staatlichem Gebaren als Stoff für eine Dokumentation, die ihn die letzten Jahre beschäftigen sollte. 2017 besuchte er mich in Wien, um zwei Tage zu drehen. Damals war ich noch Nationalratsabgeordneter und so gelangen ihm die einzigen Filmaufnahmen eines Parlamentariers mit Nudelsieb auf dem Kopf in einem Sitzungssaal.

Seine Dokumentation fokussiert vor allem auf die Fälle in den Niederlanden, aber auch die Lage in den USA, Deutschland und Österreich wird beleuchtet. Außerdem bietet I, Pastafari auch einen ausgezeichneten Überblick über die Entstehung der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters und ihre wesentlichen Glaubenslehren und Riten. Und auch einer der atheistischen „Four Horsemen“, Daniel Dennett, kommt zu Wort. Der Guardian bezeichnet den Film in einem neulich erschienen Artikel als „smart, funny but above all thought-provoking„.

Daniel Dennett mit Pastafarischer Büste

Die Premiere der Dokumentation war beim Nashville Filmfestival am 5. Oktober. An dem Tag war es mir leider nicht möglich dazu sein, aber bei der Westcoast-Premiere in wunderschönen Bend (Oregon) am 11. Oktober war es dann so weit. Bei einer schon im Vorfeld ausverkauften Vorführung hinterließen Mike und ich nach einer anregenden Q&A-Session ein spürbar unterhaltenes und nachdenkliches Publikum.

Q&A Session

(Siehe auch: Bend Film Fest)

Einige Pastafaris brachten auch ihre Siebe mit und trugen sie auch mit dem notwendigen Stolz, der den Ausweis der eigenen Religiosität so gerne begleitet. Piratische Outfits waren – auch wenn das Bruder Spaghettus nicht unbedingt freuen mag – keine zu entdecken. Es scheint also, dass die amerikanischen Anhänger der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters den handlichen Colander zumindest für unterwegs bevorzugen.

US-Pastafaris

Wie geht es mit dem Film weiter?

Nach den herbstlichen Filmfestivals wird für I, Pastafari nun ein passender Vertrieb gesucht. Sobald das gelungen ist, wird es auch in Europa die ersten Screenings geben. Unmittelbar bevor stehen noch Festivals in St. Louis und Napa Valley.

Alle weiteren Informationen und Neuigkeiten dazu auf der Website und den sozialen Netzwerken:

Und hier gibt es auch ein ausführliches Interview mit Mike Arthur und mir zu sehen.