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Kindergärten, Kreuze, Klagen, Küng & Kickl

(Unten angefügt noch ein kleines Update dank Herbert Kickl.) Diese Woche ging beim VfGH ein Individualantrag eines niederösterreichischen Vaters ein, mit dem Ziel zwei Punkte im NÖ-Kindergartengesetz zu ändern: 1) Die Streichung der Wortfolge „religiösen und“ in diesem Paragraphen: § 3 Abs 1 des NÖ Kindergartengesetzes Der Kindergarten hat durch das Kindergartenpersonal die Aufgabe, die […]

(Unten angefügt noch ein kleines Update dank Herbert Kickl.)

Diese Woche ging beim VfGH ein Individualantrag eines niederösterreichischen Vaters ein, mit dem Ziel zwei Punkte im NÖ-Kindergartengesetz zu ändern:

1) Die Streichung der Wortfolge „religiösen und“ in diesem Paragraphen:

§ 3 Abs 1 des NÖ Kindergartengesetzes

Der Kindergarten hat durch das Kindergartenpersonal die Aufgabe, die Familienerziehung der Kinder zu unterstützen und zu ergänzen. Insbesondere ist die körperliche, seelische und geistige Entwicklung der Kinder durch Bildungsangebote, geeignete Spiele und durch die erzieherische Wirkung, welche die Gemeinschaft bietet, zu fördern, zu unterstützen, ein grundlegender Beitrag zu einer religiösen und ethischen Bildung zu leisten und die Erreichung der Schulfähigkeit zu unterstützen.

2) Sowie die Aufhebung dieses verfassungswidrigen Paragraphen:

§ 12 Abs 2 des NÖ Kindergartengesetzes 2006

In allen Gruppenräumen jener Kindergärten, an denen die Mehrzahl der Kindergartenkinder einem christlichen Religionsbekenntnis angehört, ist ein Kreuz anzubringen.

Bericht auf derstandard.at

Dass zu so einem Schritt in Österreich eine erkleckliche Portion Mut gehört, beweisen die Reflexe, wie der folgende, der klerikalen Scharfmacher.

Diese OTS ging heute raus und weil sie nicht besonders lang ist, wird sie hier auch gleich vollständig wiedergegeben allerdings unterbrochen von einigen Kommentaren.

Bischof Küng zur „Kreuz-Klage“ eines Vaters

Genau genommen handelt es sich nicht um eine Klage, aber gut. Geschenkt.

utl: Einstellung der Mehrheit der Kinder und ihrer Eltern muss respektiert werden =

Die „Einstellung der Kinder“? Es handelt sich hier um Kindergartenkinder, die mit dem religiösen Bekenntnis, der Eltern ausgestattet sind. Hier von „Einstellung“ zu sprechen, ist in etwa genau so nahe an der Realität wie von sozialistischen, liberalen oder positivistischen Einstellungen der Kinder zu sprechen.

St. Pölten, 20.12.2009 (KAP) Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng hat am Sonntag zur Klage eines niederösterreichischen Vaters gegen Kreuze im Kindergarten seines Kindes Stellung genommen. Die Klage sei offensichtlich in der Folge des Urteils des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs in Sachen Schulkreuze in Italien erfolgt. Wörtlich stellte Bischof Küng fest: „Laut dem niederösterreichischen Kindergartengesetz soll in den Landeskindergärten ein Kreuz an der Wand hängen, wenn die Mehrheit der Kinder christlich ist.

„soll“ ist ein wenig schwach formuliert. Es handelt sich laut Gesetz doch um einen Zwang. In den Kindergärten muss ein Kreuz angebracht werden. Im Falle dieses Kindes bzw. seines Kindergartens befindet es sich praktischerweise in Augenhöhe der Kinder.

Niederösterreich ist ein katholisches Land und die überwiegende Mehrheit seiner Bewohner sind Christen.

Niederösterreich ist ein flaches Land… Ab wann darf von einem katholischen Land gesprochen werden? In NÖ leben mehr als 50% Frauen. Ist NÖ nicht vielmehr ein feministisches Land?

Wenn der Vater des Kindes, der wegen der Kreuze vor Gericht gehen möchte, in seinem Privathaus kein Kreuz haben will, ist das selbstverständlich zu respektieren.

Wie großzügig… Er muss kein Kreuz aufhängen. Hier verdreht Küng das laizistische Argument (genug Platz für religiöse Symbole im Privaten) einfach ins Perverse. Fast schon humoristisch. Beinahe sympathisch.

Wenn er in Niederösterreich sein Kind in einen öffentlichen Kindergarten schickt, sollte er aber genauso die Einstellung der Mehrheit der Kinder und ihrer Eltern respektieren“.

Er frage sich grundsätzlich, welche „Bedrohung“ es für ein Kind sein kann, mit Symbolen von Religionsgemeinschaften konfrontiert zu sein, sagte der St. Pöltner Bischof.

Das kann ich Ihnen gerne sagen Hr. Küng, Sie sind ja genauso ein großer Checker (© Deix) wie Christoph Schönborn und verstehen das bestimmt. In diesem Fall wird das Recht eines Kindes verletzt, weltanschaulich/religiös neutral aufzuwachsen. Die Mehrheit darf mit ihrem Symbol (Übrigens Einzahl nicht, Mehrzahl – Wir reden immer nur vom Kreuz.) in öffentlichen Einrichtungen werben. Gerade Kindern wird dadurch die Vormachtstellung einer Religion vermittelt, v. a. auch weil dieses Kreuz ohne weitere Erklärung einfach immer präsent ist.

Küng abschließend: „Und ich gebe zu bedenken, dass es in den letzten 200 Jahren immer die Diktaturen waren, die am eifrigsten religiöse Symbole aus Schulen und dem öffentlichen Raum entfernt haben“.

Und ich gebe zu bedenken, dass Adolf Hitler römisch-katholisch war, dass auf den Koppelschlössern der deutschen Wehrmacht „Gott mit uns“ zu lesen war, dass Hitler in Mein Kampf Sätze wie folgenden formuliert: „Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“ Mehr davon? Und Franco war laut Küng wahrscheinlich auch Atheist… Da packen die katholische Kirche lieber ihren Widerstandsheiligen Jägerstätter aus, wenn ihr tolerantes Verhältnis zum Nationalsozialismus zur Sprache kommt. Laizismus und Atheismus werden in der Regel tunlichst zu -ismen gemacht und gerne mit den Adjektiven militant, radikal, fundamentalistisch, aggressiv etc. belegt. Selbstverständlich werden, wenn die Wehleidigkeit einmal wieder besonders groß ist, aber differenzierte Sichtweisen, Respekt, Toleranz und sachliche Debatten im selben Atemzug eingefordert. Und kann mir bitte noch jemand sagen, wie das mit den kommunikativen Vorleistungen von Küng, Schönborn, Laun, usw. möglich sein soll?

Kleines Update:

Die folgende OTS von Kickl erreichte mich leider zu spät für dieses Posting, aber ein Kommentar dazu wäre Zeitverschwendung.

Kickl: „Das Kreuz bleibt wo es ist“ – Auch in niederösterreichischen Kindergärten =

Wien (OTS) – „Das Kreuz bleibt wo es ist“, sagte heute der
freiheitliche Generalsekretär NAbg. Herbert Kickl, in einer ersten
Reaktion auf die unfassbare Klage eines niederösterreichischen
Vaters, der durch das Kreuz im Kindergarten die Erziehung seiner
Tochter gefährdet sieht. Es sei nicht auszuschließen, dass hinter der
Klagsdrohung dieser Einzelperson die Interessen der linken
Gruppierungen von Grün bis hin zur SPÖ stecken würden, so Kickl.

Diese Entwicklung zeige, dass es selbsternannte „Fortschrittliche“
nicht unversucht lassen würden, unsere Werte und Traditionen
auszuhöhlen. Den vollmundigen Versprechungen von SPÖ und ÖVP, dass
das Kreuz in unserem Kulturkreis erhalten bleibe, sei leider nicht im
geringsten zu trauen so Kickl, der den erbitterten Widerstand der FPÖ
gegen diese Kreuz-Stürmer ankündigte. Diesen Tendenzen müsse
entschieden gegenüber getreten werden, betonte Kickl. Hier komme es
auch auf die angerufenen Gerichte an, derartige Klagen abzuweisen,
bzw. erst gar nicht zuzulassen, so Kickl.

Wenn schon das Kreuz für einige Provokateure angeblich störend sei,
wie verhalte es sich dann mit Kirchen, die weithin sichtbar seien,
fragt sich Kickl, der darauf wartet, bis sich der Erste findet, der
gegen Kirchtürme klagt. „Derartigen Auswüchsen muss entschieden
entgegengetreten werden“, schloss Kickl.