| Laizität, Politik

Kostenlose Segnung im letzten Innenausschuss

Esoterik auf Krankenschein, Religion aus dem Budget

Diesen Text wollte ich eigentlich nach meiner letzten Teilnahme als Abgeordneter im Innenausschuss schreiben. Also vor genau einem Jahr. Jetzt, da er wieder aktuell wird, hole ich das nach.

Dass mit Steuergeld allerlei esoterische Einrichtungen finanziert wurden und werden, ist nicht neu. Siehe dazu die Einreichungen beim Goldenen Brett. In Krankenhäusern werden auch aktuell Wellen und Schutzschilde zur Abwehr nicht nachweisbarer Strahlen montiert. Medien und Politik echauffieren sich (völlig zurecht) über die Steuergeldverschwendung, die auf den ersten Blick eher wie Korruption aussieht. Aber solange keine Kickbacks nachgewiesen werden, ist eher davon auszugehen, dass die Auftraggeber tatsächlich an die Wirkung von Wirkungslosem glauben.
Aber auch kein Wunder, denn dieses Verhalten ist ja hierzulande weitgehend flächendeckend durch verpflichtenden konfessionellen Unterricht religiös anerzogen.
Die katholische Kirche ließ sich dennoch zu einem Schenkelklopfer hinreißen und kommentierte die jenseitige Montage am Krankenhaus Nord mit:
“Wir sagen nur: ein einfacher Segen wäre günstiger gewesen“
Gratissegen
 
Is that so? Angesichts von der knapp 4 Milliarden Subventionen an die gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften eine Aussage, die hinterfragt werden darf.
  
Was der Nutzen eines derartigen Segen ist, wollte ich bei meinem letzten Innenausschuss als Abgeordneter am 21. März 2017 herausfinden. (Aus der Parlamentskorrespondenz: „Seitens der Abgeordneten zur Sprache gebracht wurden auch viele andere Themen, sie reichten von der Forderung der FPÖ nach kostenlosen Hepatitisimpfungen für Feuerwehrleute bis zur Segnung einer neu eröffneten Polizeidienststelle, die NEOS-Abgeordneter Nikolaus Alm mit Nachdruck kritisierte“)
  
Mir lag eine „Einladung zur feierlichen Eröffnung der Polizeiinspektion Lainzer Straße” vom 16. März 2017 hervor, die die Anwesenheit des damaligen „Bundesministers für Inneres Mag. Wolfgang Sobotka“ im Text anführte.
 
  
Im Programmablauf war unmittelbar nach der Festrede Sobotkas, eine “Segnung der Dienststelle” vorgesehen. Das veranlasste mich zu folgenden Fragen, die ich mir notiert hatte:
  
1) Das Wort “Segnung” weist auf eine religiöse Handlung hin. Um welche Religion handelte es sich? Buddhismus, Pastafarianismus, Judentum oder eine andere?
  
2) Hat dieser Segen eine praktische Wirkung? Verbessert sich dadurch die Arbeit der Beamtinnen und Beamten? Gibt es weniger Schimmel?
  
3) In Österreich gibt es eine institutionelle Trennung von Staat und Religion. Dass die Eröffnung eines Polizeilokals Schauplatz eines religiösen Rituals wird, ist damit nicht vereinbar. Wird es hier disziplinäre Konsequenzen geben?
  
4) Wie stellen Sie sicher, dass Einrichtungen der Polizei in Zukunft vor einem derartigen Missbrauch durch Religionsgesellschaften geschützt sind? 
  
Nach meinen klar formulierten Fragen wurde ich zunächst überraschend vom Vorsitzenden des Ausschuss Werner Amon, der kurz von (Sir) Otto Pendl übernommen hatte, gemaßregelt, dass ich gesetzliche anerkannte Religionsgesellschaften nicht mit Schimmel in Verbindung bringen dürfe, dann antwortete Sobotka: “Zu den Fragen des Abgeordneten Alm entschlage ich mich der Aussage.“
  
  
Schade. Wir hätten als Konsequenz dieses Innenausschuss einfach klären können, was so ein Segen bringt. Was er die Steuerzahler kostet, wissen wir ja durch das Buch “Gottes Werk und unser Beitrag” von Carsten Frerk und Christoph Baumgarten.
  
Whataboutismus: Wenn jetzt schon steuergeldfinanzierte esoterische Praktiken politisch evaluiert werden, dann können wir doch den wirkungslosen, aber unfassbar teuren Segen der Religionen gleich mitnehmen oder?