| Newsletter

Newsletter Nr. 3 – Reserverad Ethikunterricht

Nr. 3, 17. Jänner 2019, ohnebekenntnis.de

Guten Abend.

Der Ethikunterricht wird wahrscheinlich schon 2020, dafür aber in der denkbar schlechtesten Variante umgesetzt werden. BM Faßmann kündigte an, Ethik als Ersatzfach zum Religionsunterricht einführen zu wollen – mit jedenfalls einem Ziel: den verpflichtenden konfessionellen Religionsunterricht, der immer irrelevanter wird und Rückhalt verliert, für die nächste Zukunft möglichst fest abzusichern. Von einer christlich-nationalen/christlich-sozial Regierung war es eigentlich nicht anders zu erwarten.

Seit 1997 läuft bereits der Schulversuch Ethik. Im Jahr 2011 gab es nach dessen Evaluierung durch Anton Bucher eine parlamentarische Enquete zu diesem Thema. Eingeladen waren neben wenigen Experten vor allem Vertreter von Religionsgemeinschaften. Ich selbst war damals zwar noch nicht Abgeordneter, konnte aber als Zuhörer mit einer Delegation Konfessionsfreier trotzdem im Sitzungssaal des Nationalrats auf einem der Abgeordnetendrehsessel Platz nehmen. Auf Einladung der Grünen durfte dann auch Heinz Oberhummer, damals Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien, zum Ethikunterricht Stellung nehmen. Er sprach sich, wie auch unter anderem Konrad Paul Liessmann, einer der Hauptredner an dem Tag, und Anton Bucher selbst, für die Einführung eines eigenständigen, verpflichtenden Schulfachs Ethik aus, das keinesfalls als Ersatz für Religionsunterricht dienen sollte. Mein 2014 beschlossenes Positionspapier bei NEOS war ebenfalls entlang dieser Argumentation ausgerichtet und gilt, so weit ich weiß, auch nach meinem Ausscheiden aus der Politik weiterhin.

Prinzipiell sind in der Umsetzung eines Ethikunterrichts im Regelunterricht verschiedene Varianten denkbar:

  1. 1) Ethik als eigenständiges, verpflichtendes Fach für alle, statt dem verpflichtenden, konfessionellen Religionsunterricht.
     
  2. 2) Ethik als eigenständiges, verpflichtendes Fach.
    Der konfessionelle Religionsunterricht bleibt als Freifach bestehen.
     
  3. 3) Ethik als eigenständiges, verpflichtendes Fach.
    Der konfessionelle Religionsunterricht bleibt als Pflichtfach bestehen.
     
  4. 4) Ethik muss von allen besucht werden, die den Religionsunterricht aus welchen Gründen auch immer nicht besuchen. Die Version Reserverad.

Die Umsetzung jeder der vorgeschlagenen Varianten ist bislang vorgeblich immer an den Kosten eines neuen Unterrichtsfaches gescheitert. Das ist jetzt kein Problem mehr. Die Regierung hat die Chance erkannt, Variante 4 jetzt alleine umsetzen zu können und damit folgendes zu erreichen:

  • Abmeldungen vom Religionsunterricht werden gebremst. Die attraktive Aussicht auf eine Freistunde stirbt mit einem neuen Pflichtfach.
  • Religionslehrer dürfen mit einer Zusatzausbildung auch Ethik unterrichten, was zu der absurden Situation führen könnte, dass Schüler, die sich von Religion abmelden, trotzdem von einem Religionslehrer unterrichtet werden.
  • Wenn jetzt Ethik als Ersatz eingeführt wird, ist es unrealistisch, dass in absehbarer Zeit Ethik als verpflichtendes Fach für alle kommen wird.

Speziell der letzte Punkt sollte verhindert werden. Es gibt auch einige Initiativen, die sich das zum Ziel gesetzt haben und die Einführung eines Faches Ethik in den Varianten 1, 2 oder 3 politisch durchsetzen wollen. Allen voran die Initiative Ethik für ALLE, aber auch der HVÖ (Humanistischer Verband Österreichs). Es ist auch davon auszugehen, dass NEOS, die Liste Jetzt, die Grünen und vielleicht auch Teile der SPÖ dieses Vorhaben unterstützen.

 

Eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema bietet die Abrechnung in Buchform: „Der Ethikunterricht in Österreich: Politisch verschleppt – pädagogisch überfällig!“ von Anton Bucher.

In meinem Buch „Ohne Bekenntnis“ widme ich mich auch ein drei Kapiteln dem Thema Religion & Bildung und dem Ethikunterricht.

Amenlos
Alm