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Newsletter Nr. 1 – Über die religiöse Wirkmacht

Nr. 1, 30. Dezember 2018, ohnebekenntnis.de

Guten Tag.

Die vorschnelle Einordnung, oder auch das Vorurteil, besteht oft darin, dass Religion gegenwärtig keine gesellschaftliche oder politische Wirkmacht mehr zugesprochen wird. Säkularismus bzw. Säkularität hätten sich doch als Folge der Säkularisierung bzw. Säkularisation längst durchgesetzt, wird gerne behauptet. Die Gläubigkeit in der Bevölkerung geht zurück und Religion spiele doch keine ernsthafte Rolle mehr.
Aber immer langsam mit den Fohlen. Die Trennung von Republik und Religion ist ein Prozess, der nicht abgeschlossen ist – weder im laizistischen Frankreich, das oft als Vorbild für staatliche Laizität genannt wird, und schon gar nicht in Deutschland oder Österreich. Es ist nicht einmal klar definiert, worin denn diese Trennung genau besteht und welche Säkular-Wörter hier welche Bedeutung einnehmen. Ich habe nicht umsonst die ganze begriffliche Sippe in einen Satz gepackt – aber nicht um sie an dieser Stelle zu erläutern, sondern ihre Unschärfen als einen kleinen Beleg dafür heranziehen, dass die Vermutung Religion hätte im Staat politisch und gesellschaftlich ausgedient, nicht ganz stimmen kann, wenn uns dafür klare Wörter fehlen.
Ein Blick in die Berichterstattung der letzten zehn Tage alleine beweist, dass Religion jede Woche, fast täglich Nachrichten produziert. Ohne irgendeinen Anspruch auf Vollständigkeit, ohne Wertung und Einordnung – das ist passiert:

Religiöse Medienpräsenz alleine belegt naturgemäß noch keine politische oder gesellschaftliche Wirkmacht. Ereignisse können auch zufällig mit Religion zu tun haben, schlussendlich ist Religionskultur eine Realität, die auch in einem laizitären Staat nicht einfach verschwindet.
Den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation gilt es herauzusarbeiten. Das werde ich anhand von Beispielen in den nächsten Serienbriefen machen. Vielleicht beginne ich mit dem Dauergottesdienst. Schau mer mal.

Amenlos
Alm