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Newsletter Nr. 24 – Neulich im Kaizid

Nr. 24, 12. November 2019, ohnebekenntn.is

Das König Abdullah Bin Abdulaziz internationales Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog) (kurz: Kaizid) veranstaltete vor knapp zwei Wochen eine Konferenz zu „Hate Speech“ im Wiener Grand Hotel.
Die internationale Organisation, die von Saudi-Arabien, dem Vatikan (als Beobachter), Österreich und Spanien gegründet wurde steht schon lange in der Kritik, ausschließlich als PR-Vehikel für saudische Interessen zu dienen. In meinem Buch „Ohne Bekenntnis“ widme ich dem Potemkin’schen Ringstraßengebäude auch eine Seite (ohne auf Details einzugehen).
Der Nationalrat hat jedenfalls kurz vor dem Sommer beschlossen, die österreichische Beteiligung an diesem Dialogzentrum zurückzuziehen. Wie zum Trotz hat sich Altbundespräsident Heinz Fischer aber entschlossen, den Eröffnungsvortrag der eingangs erwähnten Konferenz zu halten. Dass er die Gelegenheit genützt hat, um sich im Umfeld gegen die Schließung auszusprechen, versteht sich von selbst. Auch wies er auf die Notwendigkeit eines Dialoges hin. Doch wie ist dieser Dialog beschaffen und welche Taten folgen dem Dialog?
Eher wenig bis keine, wie dem Annual Report 2018 des Kaizid zu entnehmen ist. Und auch die Teilnahme an der Konferenz bietet wenig Fleisch. Davon konnte ich mich vor Ort überzeugen. Nach dem Zutritt durch eine Sicherheitskontrolle analog jener auf den Flughäfen, kam ich gerade zur Eröffnung des zweiten Tages durch Chief Rabbi David Rosen, der mit vehementen Worten, geradezu aggressiv zum friedlichen Dialog aufrief. Danach folgte ein Panel zum Haupthema „Welche Verantwortung tragen die Medien bei der Prävention von Hassrede?”
Die Kleriker am Podium zerstreuten jeglichen Zweifel, wo sie Hass im Netz verorten: Religion ist ein doppeltes Opfer. Einerseits sind Religiöse und Religionen direkt von Hassrede im Internet betroffen, andererseits wird Religion dazu „missbraucht“, Gewalt zu legitimieren.
Es gelte vor allem, die an sich friedfertige Religion, zu schützen. Die Vorschläge, dem zu begegnen, erschöpfen sich dann zumeist in Ansätzen, wie man sie von jenen kennt, die sich oberflächlich mit der Materie beschäftigt haben und auf Podien ihre Konzepte verstrahlen: Entanonymisierung der User, Verschärfung der Gesetze, Umwandlung von Plattformen in Medien, weitere Einschränkungen der Redefreiheit usw.
Über dieses Diskursniveau sind wir schon ein paar Jahre hinaus. Fazit: aus Richtung Kaizid ist weiterhin weder theoretischer noch praktischer Output zu erwarten, der einen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten kann.

Dem selbstgesetzten Auftrag, Hassrede eindämmen zu wollen, wird mit dem Hashtag #StopH8speechentsprochen, der vermutlich Anschlussfähigkeit an eine Kommunikation in sozialen Netzwerken reflektieren soll.

 

Twitter ohne politische Werbung – ein Fehler

Twitter-CEO Jack Dorsey verlautbarte am 30. Oktober, dass Twitter jegliche, bezahlte politische Werbung einstellen will. Warum ich das für einen vielleicht wirklich gut gemeinte, aber in in der Substanz eher für eine Selbstbeschränkung halte, die Twitter ökonomisch nicht weh tun dürfte und eher der moralischen Selbsterhöhung dient, habe ich in dem Artikel ausgeführt: Twitter ohne bezahlte Politik

 

Weihnachtengeschenk „Ohne Bekenntnis“

Es gibt kaum ein besseres Beispiel für den Unterschied zwischen Glaubensreligion und Kulturreligion als Weihnachten. Das Fest der Wintersonnenwende ist gekennzeichnet durch Auto-Entreligionifizierung und
dass die literarische Figur Jesus am 24. oder 25. Dezember im Jahr -1 geboren wurde, glaubt ja nicht einmal der Papst. Ich darf mich selbst zitieren:

„Dass es sich nüchtern betrachtet bei Weihnachten um das kollektive Abfeiern der Wintersonnenwende bei wieder länger werdenden Tagen handelt und dass dazu keine Geburt einer mythologischen Figur notwendig ist, dass es sich dabei um keinen kulturellen Beitrag von Religion, sondern vielmehr um eine spätere kulturelle Vereinnahmung durch diese handelt, wird durch die vereinheitlichte Darstellung von der Hybride aus Glaube und Kultur als Religion überlagert.“ (Ohne Bekenntnis, S. 51)

„Weihnachten wurde längst zu einem kulturellen Fixpunkt im Kalender, der sich über verschiedene Ästhetiken erkennbar macht, die zwar vielfach religiös konnotiert sind, aber keiner Gläubigkeit bedürfen, um gefeiert zu werden. Die vom Christentum im vierten Jahrhundert annektierte Wintersonnenwende zu Ehren des römischen Gottes Sol Invictus wurde zu einem zoologischen Aufmarsch von Ochs und Esel, Engeln, Elfen, Rentieren, Christkind, Weihnachtsmann, Kitsch und Konsum. Die Verbin- dung zu Religion ist für viele Menschen ebenso rein theoretischer Natur wie die Wahrnehmung kirchlicher Feiertage, allen voran des Sonntags, an dem Tod und Auferstehung von Jesus Christus gefeiert werden.“ (Ohne Bekenntnis, S. 68)

Das ist jedenfalls ein Grund zum Feiern und Schenken. Deswegen habe ich euch ein schönes Paket „Ohne Bekenntnis“ zusammengestellt. Es enthält:

X-Mas-Paket, 26.00 Euro (inkl. USt. und Versand)

  • 1x Buch „Ohne Bekenntnis“ (auf Wunsch signiert)
  • 1x Jute-Tasche
  • und ein paar Stickers

XL-Mas-Paket, 39.00 Euro (inkl. Ust. und Versand)

  • 1x T-Shirt „Ohne Bekenntis“
  • 1x Buch „Ohne Bekenntnis“ (auf Wunsch signiert)
  • 1x Jute-Tasche
  • und ein paar Stickers

Bestellung via

1) Überweisung

Bitte an meine „Schmaltz GmbH“ den Betrag für eine oder mehrere Pakete überweisen, beim Verwendungszweck Lieferadresse und T-Shirtgröße angeben. Oder alles per E-Mail an mich schicken.

IBAN AT56  2011 1825 1720 5800

2) PayPal

Ja, das wird irgendwann auch funktionieren. Die Links sind hier zu finden.