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Weiß wählen. Nüchtern betrachtet.

Jede Wahlentscheidung ist eine Entscheidung, auch die, nicht wählen zu gehen oder bewusst ungültig zu wählen. Die Nicht-Entscheidung wird de facto zu einer Entscheidung für den stärkeren Kandidaten. Sie muss auch keine Entscheidung für keinen Kandidaten sein, sondern kann auch einen Entscheidung für mehrere Alternativen sein. Weiß wählen kann also auch Zustimmung bedeuten.

Jede Wahlentscheidung ist eine Entscheidung, auch die, nicht wählen zu gehen oder bewusst ungültig zu wählen. Die Nicht-Entscheidung wird de facto zu einer Entscheidung für den stärkeren Kandidaten. Sie muss auch keine Entscheidung für keinen Kandidaten sein, sondern kann auch einen Entscheidung für mehrere Alternativen sein. Weiß wählen kann also auch Zustimmung bedeuten.
Dass es für jede Wahlentscheidung, gut argumentierbare Begründungen geben kann, dürfen wir annehmen, auch wenn wir nicht alle Argumente inhaltlich teilen, können sie logisch nachvollziehbar sein.
 

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Weiß wählen bringt manche Gemüter aber tatsächlich in Rage. Warum eigentlich?
Weil manche Weißwählerinnen ihre ostentative Haltung mit der gleichen moralischen Überlegenheit in die Auslage stellen, wie das auch viele Fans eines Kandidaten machen? Wird manchen hier vielleicht nur ein Spiegel vorgehalten?
Egal, aus welchen Gründen es passiert und welche Reaktionen es hervorruft. Weiß wählen kann auch ganz nüchtern betrachtet werden. Es gibt eine ganz einfache, logische Erklärung, warum weiß wählen eine angemessene oder auch die einzig richtige Entscheidung sein kann.
 
Weiß wählen kommt von „Weiß nicht“
 
Stellen wir uns folgendes Beispiel vor: Wir haben eine Stichwahl zweier Kandidatinnen für das Amt der Bundespräsidentin, die beide aus der persönlichen Sicht Vor- und Nachteile haben, aber beide für den Wähler bestens geeignet sind. Er kann sich einfach nicht entscheiden. Er wählt bewusst ungültig und lässt die anderen für sich entscheiden. Jedes Ergebnis ist ihm gleich recht. Aus dieser Sicht wäre es sogar falsch, eine eindeutige Entscheidung zu treffen.
Diese positive Sicht aufs Weiß wählen wird geflissentlich ignoriert, vermutlich auch, weil sie in der Praxis eher selten anzutreffen ist und die negative Sichtweise vorherrscht. Aber auch diese ist logisch einwandfrei.
Stellen wir uns folgendes zweites Beispiel vor: Wir haben eine Stichwahl zweier Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, die beide aus der persönlichen Sicht nur Nachteile aufweisen. Es ist typische Entscheidung zwischen Schnupfen und Husten. Die Wählerin will beides nicht haben, aber sie kann mit beidem irgendwie leben. Bei keinem der beiden Kandidaten ist die Ablehnung so herausragend ausgeprägt, dass eine Stimme gegen ihn (also für den anderen) notwendig ist. In dieser Situation wäre es genauso falsch eine eindeutige Entscheidung zu treffen. (Das Angebot ist schlecht, aber der Unterschied zwischen dem kleineren Übel und dem anderen kleinen Übel nicht groß genug, um reinen Gewissens das kleinere Übel wählen zu können.)
Es gibt also ganz logisch zwei Situationen, in denen gut begründet, die Entscheidung dem Rest der Bevölkerung überlassen werden kann.
Dieses Gedankenspiel funktioniert mit einem ersten Wahlgang, der zu einer Stichwahl führt ein wenig anders, aber auch hier gibt es Konstellationen, mit denen sich weiß zu wählen ganz einfach plausibilisieren lässt, ohne undemokratisch oder unlogisch zu sein.
 
Persönliche Anmerkung:
Ich hätte diesen Text auch genauso gut nach der Stichwahl veröffentlichen können, weil ich ihn tatsächlich zwar aus gegebenem Anlass geschrieben, aber dann doch nicht auf die aktuelle Wahl Hofer vs Van der Bellen umgelegt haben will. Er spiegelt meine Meinung unabhängig davon wider.
Und bei dieser Wahl habe ich meine gültige Stimme längst abgegeben. Meine Snapchat-Followers wissen auch wem.